Hotels

Le Pigalle, Paris

2. April 2020

Historische Gebäude und jede Menge Lokalkolorit – stilvolle Boutiquehotels boomen in Paris. Bestes Beispiel: Das ehemalige „Le Pigalle“ im trendigen 9. Arrondissement wurde vom Stundenhotel zur hippen Absteige

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Henri de Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso, Josephine Baker, Edith Piaf– rund um die berühmt-berüchtigte Place Pigalle unterhalb von Montmartre lebt ihr Geist weiter, auch wenn die Gegend lange vor allem als Rotlichtviertel von sich reden machte. Doch längst gilt SoPi (South of Pigalle), nur wenige Gehminuten vom touristischen Montmartre und dem Postkartenpanorama der Sacré-Coeur entfernt, als In-Viertel.Trendsetter und Kreative jeder Couleur entdeckten es wieder, in den kleinen Straßen zwischen den Metro-Stationen Blanche und Anvers entstanden coole Läden und Bars, stimmungsvolle Bistros und Hotels. Rotlicht-Nostalgie und Neon-Chic geben auch in der Rue Frochot den Ton an, die von der Place Pigalle Richtung Süden führt.

Le Pigalle, Rue Frochot © Design Hotels

Hier verwandelte ein junges Team rund um Szene-Hotelier Valéry Grégo ein ehemaliges Stundenhotel zum Designhotel „Le Pigalle“. Die heruntergekommene neoklassizistische Fassade des Gebäudes wurde neu herausgeputzt, der schwarz-weiße Terrazzoboden in der Lobby restauriert, riesige Gladiolen-Bouquets setzen farbige Akzente. Mit der Rotlicht-Vergangenheit geht man augenzwinkernd um – eine glänzende Pole-Dance-Stange in der Lobby erinnert daran.

Jedes der 40 Zimmer bekam ein eigenes Design, an den Wänden hängen Illustrationen und Fotografien von Künstlern aus der Nachbarschaft. Besonders viel Retro-Charme verbreiten die größeren Zimmer in den oberen Stockwerken mit offenem Bad und vielen liebevoll plazierten Details (Tipp: Die 35 qm Suite unter dem Dach). „Wir wollten die Persönlichkeit des Gebäudes, den Geist des Viertels erhalten“, sagt Grégo, dessen Markenzeichen ein gekonnter Mix aus Vintage und 21. Jahrhundert ist. „Unsere Gäste suchen Authentizität, sie möchten sich nicht als Touristen fühlen, sondern dem Lebensgefühl der echten Pariser so nahe wie möglich kommen.“ Die hohe Auslastung (frühzeitig buchen!) bestätigen sein Konzept. 

Doppelzimmer © Design Hotels

Die Café-Bar im Erdgeschoß des Hotels wurde schnell zum Treffpunkt für junge Kreative, die in der Nachbarschaft wohnen und arbeiten. Morgens sitzen sie vor ihren Laptops, neben sich einen Café au lait, abends werden Drinks gemixt, am Wochenende legt ein DJ auf. „Wir verstehen uns als „hôtel de quartier“, als Nachbarschaftshotel“, sagt Grégo, „alle Mitarbeiter, die zum kreativen Vibe des Hauses beitragen, wohnen gleich um die Ecke.“ Die buttrigen Croissants zum Frühstück stammen aus einer nahegelegenen Bäckerei und für den coolen Retro-Sound ist der im Viertel aufgewachsene Vinyl-Experte Victor Kiswell zuständig, der für das Le Pigalle einen insgesamt 54 Stunden umfassenden Soundtrack zusammenstellte und auch die Plattensammlungen in den Gästezimmern regelmäßig neu bestückt.

Communal Table in der Lobby © Design Hotels

Das Le Pigalle bietet jede Menge Lokalkolorit in einem geschichtsträchtigen Gebäude und einem Viertel mit starker eigener Identität. Damit passt es bestens in den Boom sehr persönlich gestalteter Boutique-Hotels, den Paris in den letzten Jahren erlebt. Mit ihrer sehr individuellen Stilistik und der Verwurzelung in der lokalen Szene sprechen solche Häuser eine Klientel an, denen moderne Kettenabsteigen zu steril und prunkvolle Hotelpaläste mit Einstiegsraten um 900 Euro zu abgehoben sind.

www.designhotels.com

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