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Ellington, Berlin

30. Oktober 2020

Wo einst Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Duke Ellington auf der Bühne standen, logieren heute Gäste in einem der geschichtsträchtigsten und architektonisch reizvollsten Häuser der Hauptstadt

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Fassade bei Nacht © Amin Akhtar

Ein Haus mit Vergangenheit – und was für einer! Nürnberger Straße 53, das war Ende der 1970er Jahre die heißeste Adresse im Berliner Nachtleben; David Bowie, Iggy Pop, Lou Reed und Nick Cave verkehrten hier im Kultclub Dschungel. Es war nicht die erste musikalische Institution an dieser Adresse. Im legendären Jazzclub „Badewanne“, der nach dem Zweiten Weltkrieg im selben Gebäude untergebracht war, spielten Count Basie, Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Duke Ellington. Letzterer wurde zum Taufpaten für das Designhotel „Ellington“, das 2007 eröffnete. 

Einst Fixstern des Nachtlebens, heute Hotel © Andreas Friese

Es zollt nicht nur der musikalischen Tradition des Hauses Tribut, sondern ist auch in jedem Berliner Architekturführer vertreten. 1928-31 erbaut, steht der Gebäudekomplex mit der 185 Meter langen Fassade heute unter Denkmalschutz, und das nicht nur wegen seines weitgehend original erhaltenen Äußeren, den mit Travertin verkleideten Mauern, den elegant geschwungenen Fensterfronten und Erkern und den in Messing gefassten Hauseingängen und Schaufenstern der Ladenzeile im Erdgeschoss. 

In jedem Architekturführer vertreten: Hotel Ellington © Werner Huthmacher

Auch das Innenleben des ehemaligen „Tauentzienpalasts“ hat im Foyer, den Treppenhäusern und Festsälen viel von der ehemaligen Grandezza bewahrt: mit weißen und grünen Wandkacheln, Treppengeländern aus Messing, Stuckornamenten an den Decken und vergoldeten Schriftzügen an den Wänden. In den oberen Stockwerken waren lange Jahre Büros der Berliner Finanzdirektion untergebracht, von dieser Zeit zeugte ein Paternoster, der leider nicht mehr existiert – die Baubehörde fand ihn zu gefährlich für einen Hotelbetrieb.

Treppengeländer aus Messing © Andreas Schulz

Heute zählt das Hotel Ellington 285 Zimmer und Suiten – von den geräumigen Deluxe Zimmern mit offenem Bad über die Turmsuiten im fünften Stock mit Rundumblick bis zu den loftartigen Executive Suites mit durchlaufender Fensterfront und bis zu 75 qm Größe.

Hell und luftig: Executive Suite © Ellington

„Das Spannende an diesem Haus“, sagt Hoteldirektorin Tina Brack, „ist, dass es beinahe zu jedem Jahrzehnt eine eigene Geschichte erzählt.“ Im Erdgeschoss, wo ab 1929 im größten Ballhaus Berlins über Rohrpost und Tischtelefone Kontakte geknüpft wurden und allabendlich ein Live-Orchester für über 2000 Gäste aufspielte, trifft man sich heute in der schicken Lobby Lounge bei dezenten Jazzklängen zum Apéro. 

Einst Ballhaus, heute zeitgemäße Bar © Andreas Schulz

Die musikalische Geschichte des Hauses wurde mittels stimmungsvoller Schwarz-Weiß-Fotos im ganzen Haus geschickt in die Jetzt-Zeit transportiert. Aus einem gläsernen Studio im Erdgeschoss sendet der Berliner Radiosender JazzRadio 106,8 täglich live. Regelmäßig werden in der Lounge oder im Sommer auf der großzügigen Innenhof-Terrasse Jazzkonzerte organisiert, sonntags gibt es einen Jazzbrunch mit Live-Musik.

Eventlocation Sommergarten © Ellington

Generell überzeugt das junge Team hinter den historischen Mauern durch frische, unkonventionelle Ideen. Als Pagen treten junge, hübsche Frauen auf, ihre Uniform mit weißem Hemd, Pullunder und Schlagmütze ist ganz von heute, aber stilistisch an den 1920ern orientiert.

Service Berliner Art © Laima Chenkeli

Wie gut das Haus mit seiner zentralen Lage zwischen Ku’damm, Zoo und KaDeWe auch vom lokalen Publikum angenommen wird, zeigt sich im hauseigenen Restaurant „Duke“, wo der Großteil der Gäste Berliner sind. Hier serviert man beliebte Klassiker – vom Rindertatar mit Wildkräutersalat über die echt Berliner Currywurst bis zum Coq au Vin von der Poularde. 

Beliebte Klassiker im „Duke“ © Andreas Rehkopp

Die Restaurantcrew weiß auch die historische Bausubstanz zu nutzen: Im Keller lagern über 500 verschiedene Weine hinter den original erhaltenen Stahltüren im ehemaligen Tresorraum der Oberfinanzdirektion – ein echter „Weintresor“. 

Beste Gewächse aus dem Tresor © Andreas Rehkopp

www.ellington-hotel.com

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